ÜBER
MICH...
Annette Töpel
begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel. Schon früh zeigte sich dabei parallel zur solistischen Ausbildung eine besondere Affinität zur Kammermusik. Dadurch inspiriert ergänzten bald zunächst Violine und später auch Violoncello und Viola ihre musikalische Entwicklung. Sie studierte an der Musikhochschule Lübeck und erhielt das musikpädagogische sowie das künstlerische Diplom. Entscheidende Impulse erhielt die Pianistin durch Meisterkurse bei Rudolf Buchbinder und Dinorah Varsi und bei Peter Kamnitzer (LaSalle-Quartett, Kammermusik) und Axel Bauni (Liedinterpretation). Intensive solistische und kammermusikalische Tätigkeit in unterschiedlichen Besetzungen, darunter mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, führten sie u.a. zum Schleswig-Holstein Musikfestival, zum Bruckner-Fest Linz, zum Carinthischen Sommer, zum Linsköping-Festival, zu den Klosterkonzerten Cismar und nach Polen sowie Luxemburg. Die Pianistin ist gern gesehener Gast beim Nordhessischen Kultursommer, der Lübecker Sommeroperette und bei den renommierten Lunchkonzerten Zürich. Für das Label Musicaphon entstanden zahlreiche CD-Einspielungen (teilweise Ersteinspielungen) mit Werken u.a. von Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann und Distler. Für den Verlag Sikorski Hamburg folgten CD-Aufnahmen aller drei Bände der „Russischen Klavierschule“. Zahlreiche Editionen beim Bärenreiter-Verlag zeigen ihre Qualitäten als Autorin von Fingersätzen. Annette Töpel ist nach ihrer langjährigen Tätigkeit als Dozentin für Klavier an der Musikakademie Louis Spohr Kassel nunmehr als freie Musikerin tätig und spielt privat einen Steinway-C-Konzertflügel der Klangmanufaktur Hamburg.
Zusammen mit dem Geiger Jan Baruschke und dem Cellisten Cem Cetinkaya bildet sie das JAC-Trio. „JAC“ ist eine Kombination der Initialen der drei Musiker. „JAC“ steht für stilistische Offenheit, aber nicht Beliebigkeit. Dieses Klaviertrio begeistert mit Musik von der Wiener Klassik über die Romantik bis zu Tangos und Klezmer-Klängen, aber auch mit zeitgenössischer Musik sein Publikum. Außerdem tritt das Jac-Trio auch mit Vokalensembles und Solisten auf, mit denen es die ansonsten fast nie zu erlebenden Werke für Klaviertrio und Gesang präsentiert.
Ergänzend zu ihrer umfangreichen pianistischen und kammermusikalischen Tätigkeit sowie zu ihren Auftritten als Liedbegleiterin ist Annette Töpel Mitglied des Kieler Kammerorchesters in den 1.Violinen.
Eine ganz andere Facette ihrer Kreativität zeigt die Künstlerin mit ihrem Papiertheater, wo sie u.a. Märchen in historischem Ambiente auf die Bühne bringt.
Dank ihres zeichnerischen Könnens und ihres sprachlich-dramaturgischen Talents hat Annette Töpel mit ihren Papiertheaterproduktionen großen Erfolg. Hierfür zeichnet sie die Bühnenbilder und verfasst die Dialogfassungen der Textbücher, außerdem führt sie die Stücke selbst auf. Bei ihren Papiertheateraufführungen legt sie großen Wert auf die charakteristische Profilierung der Figurentypen. Hierzu gehört auch die stimmklangliche Nuancierung des sprachlichen Vortrags, die jeder Figur eine individuelle Lebendigkeit verleiht.
Die Künstlerin ist mit dem Komponisten Michael Töpel verheiratet und lebt in Lübeck.
Sich selbst und andere musikalisch begeistern...
Ein Werkstattgespräch mit Annette Töpel
Michael Töpel: Nach welchen Kriterien wählst Du die Werke Deiner Konzertprogramme aus, gibt es Schwerpunkte oder sogenannte „Lieblingskomponisten“ bzw. „Lieblingsgenres“?
Annette Töpel: Das sind sowohl Werke, die ich sehr liebe und immer wieder gerne im Konzert spiele als auch solche, die ich mir erarbeiten möchte und von denen ich hoffe, daß sie auch für das Publikum interessant sein könnten. Die Frage nach „Lieblingskomponisten“ bzw. „Lieblingsgenres“ ist schwer zu beantworten, da meines Erachtens jeder Komponist, dessen Werk man zurzeit spielt, dieses beides sein sollte. Aber um konkret zu antworten, gehören für mich Mozart, Beethoven, Haydn, Bach, Brahms und Schumann ganz unverzichtbar dazu, und zwar mit allen Werkgruppen ihres Schaffens!
Welchen Stellenwert hat für Dich die Virtuosität bzw. die herausgestellte Inszenierung derselben in entsprechenden Werken?
Sie ist für mich nicht Selbstzweck, sondern kann eines von verschiedenen Ausdrucksmitteln der Musik sein. Aber natürlich reizt mich durchaus auch ein gewisser „sportlicher“ Aspekt innerhalb eines Werkes und außerdem ist eine profunde Technik neben anderen Erfordernissen essentiell für viele Stücke und daher unverzichtbar für jeden professionellen Musiker!
Gehst Du bei der Erarbeitung einer Interpretation eines Werkes in erster Linie analytisch oder intuitiv vor oder ist es zumeist eine Mischung aus beidem?
Das hängt sehr vom jeweiligen Stück ab und wie schnell man persönlich einen Zugang dazu findet, sozusagen einen ersten „Fingerabdruck“. Bei mir ist es meistens eine Mischung von beidem. Auf jeden Fall ist es absolut notwendig, ein Werk zu durchdenken, zu versuchen, der Intention des Komponisten bestmöglich gerecht zu werden. Die Musik ist ja nicht der Notentext, sondern das, was ich als Spieler „herauslesen“ muss!
Spielt die editorische Qualität der von Dir benutzten Notenausgaben eine entscheidende Rolle, vergleichst Du unterschiedliche Editionen gleicher Werke?
Einige Notenausgaben haben sich in der Praxis als günstig erwiesen, weswegen ich sie auch immer wieder gerne verwende. In vielen Fällen lohnt sich natürlich ein Vergleich verschiedener Editionen gleicher Werke, was Interpretationsfragen bestimmter Absichten eines Komponisten betrifft, z.B. Notationsaspekte (Bögen, Punkte, Dynamik etc.) Letztendlich braucht jeder Interpret die größtmögliche Erfahrung, um ein Werk über die Notation hinaus zu deuten. Sehr hilfreich kann hierbei auch der Blick in ein Faksimile sein.
Ist für Dich das Hintergrundwissen über den Komponisten und über die Entstehungsgeschichte des Werkes für Deine Interpretation wichtig?
Das historische und persönliche Umfeld eines Komponisten beeinflusst immer auch das Werk, seine persönliche Situation, in der er es geschrieben hat. Durch die Kenntnis dieses Umfelds erhält man als Interpret oft wichtige Aspekte zur jeweiligen Aussage eines Stückes.
Würdest Du ein Konzertprogramm konzipieren, welches jeweils zur Hälfte aus Werken von Komponistinnen und Komponisten besteht?
Entscheidend ist für mich letztendlich nicht eine Art „Genderfrage“, sondern die Qualität eines Stückes, und da gibt es gute und weniger gute Musik bei beiden Geschlechtern!
Wie stehst Du zu Repertoire-Entdeckungen alter und zeitgenössischer Musik? Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht?
Das ist in beiden Fällen sehr spannend, da sich, was die alte Musik betrifft, erstaunlicherweise selbst dort noch weiteres Interessantes und Spielenswertes finden läßt, wenn man abseits des Mainstreams anfängt zu suchen! Meine CD mit den „Apokryphen Klavierwerken“ Mozarts ist ein gutes Beispiel dafür, ebenso auch die CD mit Beethovens frühen Klavierkonzerten, wo man sehr anschaulich die stilistische Entwicklung des Komponisten nachvollziehen kann.
Was die zeitgenössische Musik betrifft, kommt es m. E. sehr auf das jeweilige Stück an. Man hört hier leider oft qualitativ Schlechtes und beliebig Austauschbares. Aus dem fantastischen Bereich der „klassischen Moderne“ dagegen sprechen mich viele Stücke besonders an. Sehr spannend war diesbezüglich meine Einspielung des Klavierwerkes von Hugo Distler, der bei den Pianisten bis auf wenige Ausnahmen ja nicht gerade auf den vorderen Plätzen ihrer persönlichen Hitliste steht. Bei der Konzeption eines Konzertprogramms finde ich es grundsätzlich anregend, immer wieder auch Zeitgenössisches zu spielen!
Was bedeuten Dir die Kammermusik und die Liedbegleitung?
Beides ist gerade für uns Pianisten ganz fantastisch und beides gehört für mich unverzichtbar dazu! In meinem Fall habe ich sicher eine begünstigende Affinität dazu, da ich ja zusätzlich Violine, Viola und Cello sowie Viola d’amore spiele und immer im Orchester gespielt habe und dies auch weiterhin sehr gerne tue. Das Musizieren mit einem oder mehreren Kammermusikpartner(n) ist besonders im Hinblick auf das Solo-Repertoire eine immense Bereicherung. Es erfordert etwas elementar Wichtiges für einen Musiker, nämlich das Zu- bzw. Hinhören! Zudem ist das Repertoire in beiden Genres absolut gigantisch. Die spezielle Arbeit mit Sängern ist für einen Pianisten eine sehr wichtige und beglückende Erfahrung, da man von einem guten Sänger lernen kann, wie man auf dem Klavier singen und mit der Musik atmen muss!
Bist Du eher eine Befürworterin der informierten Aufführungspraxis oder würdest Du – wenn vorhanden – Musik der Vergangenheit möglichst auf historischen Instrumenten spielen?
Für den Interpretationsstil der jeweiligen Epochen ist es meines Erachtens sehr wichtig zu wissen, wie die Instrumente zur Zeit der Komponisten geklungen haben und welche Möglichkeiten sie hatten. Ich persönlich bevorzuge den modernen Steinway – er hat alles, was der Spieler braucht: ein ganzes klangliches Universum!
Stellen für Dich Klavierkonzerte mit Orchester und mit Dir als Solistin die „Krönung“ des Interpretendaseins dar?
Mit Orchester spielen zu dürfen, ist wohl für jeden Musiker etwas Besonderes, gerade für uns Pianisten, da wir aufgrund unseres Instruments nicht oft Gelegenheit dazu haben (vor Ort fehlender oder unbrauchbarer Flügel…) Als „Krönung“ des Interpretendaseins würde ich allerdings jedes (für mich und andere) besonders beglückende Konzert bezeichnen. Ein Solokonzert mit Orchester ist für mich aber auf jeden Fall ein spezielles Highlight, über welches ich mich dann natürlich ganz besonders freue und für das ich auch dankbar bin!
Du hast sehr unterschiedliche Werke auf CD eingespielt. Hörst Du Dir diese Aufnahmen gelegentlich an? Hast Du festgestellt, dass Du bestimmte Details heute anders spielen würdest als zur Zeit der CD-Aufnahme?
Ich mag CD-Aufnahmen sehr, weil sie die Möglichkeit bieten, einen persönlichen „Fußabdruck“ zu hinterlassen. Sie dokumentieren Momentaufnahmen meiner jeweiligen Situation. Ich höre sie mir allerdings fast nie oder nur selten an, weil ich immer vorrausschaue und neugierig auf die nächste Produktion bin. Wenn ich sie heute höre weiß ich, daß ich manches anders machen würde, trotzdem stehe ich auf jeden Fall dazu, weil es für mich wertvolle Erinnerungen sind, sozusagen wie „Kinder“. Im Übrigen sollen sie ja auch für den Hörer interessant sein!
Für wen spielst Du, bzw.: für wen spielst Du am liebsten?
Zu meiner eigenen Freude, die sich dann hoffentlich auf ein begeistertes Publikum überträgt.
Wenn Du als Pianistin drei Wünsche frei hättest: Was würdest Du wählen?
– Gesund bleiben, um lange spielen zu können,
– mit lieben und wunderbaren Menschen Musik machen zu dürfen,
– ein eigener kleiner Konzertsaal für mich und meinen Steinway mit begeistertem Publikum.
